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Exponate des Musikinstrumenten-Museums


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Glasharmonika
Benjamin Franklin, der große Physiker und Politiker, hat nicht nur den Blitzableiter, sondern auch die Glasharmonika erfunden. Angeregt von der Darbietung eines auf Weingläsern musizierenden Virtuosen, baute er 1762 ein Instrument, bei dem auf einer Achse, die über Fußantrieb in Bewegung versetzt wird, halbkugelförmige Glasschalen ("Kalotten") unterschiedlicher Größe aufgereiht sind. Der Musiker spielt das Instrument, indem er die rotierenden Kalotten mit befeuchteten Fingern berührt und so einen eigenartig ätherischen Klang erzeugt. Immerhin verfassten Mozart und Beethoven Kompositionen für dieses seltene Instrument. Richard Strauss schrieb im dritten Akt seiner Oper "Die Frau ohne Schatten" eine Partie für Glasharmonika.
Die Glasharmonika des Museums ist unsigniert. Aufgrund von bautechnischen Merkmalen ist jedoch anzunehmen, dass das Instrument um 1810 in Süddeutschland oder Österreich angefertigt worden ist. Der Tonumfang der 44 Kalotten reicht von d bis a'''. Zur leichteren Orientierung des Spielers sind die Semitonien-Kalotten auf der Innenseite ihrer Ränder vergoldet.

 

Naumburger Blasinstrumente – Krummhörner
Einem außerordentlichen historischen Glücksfall ist es zu verdanken, dass das Musikinstrumenten-Museum eine umfangreiche Kollektion seltener Blasinstrumente des Frühbarock aus der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts besitzt. Der Naumburger Kantor Andreas Unger vermachte 1657 seine Instrumentensammlung testamentarisch der Stadtkirche St. Wenzel. Aus Pietät gegenüber dem Stifter wurden diese Instrumente über Jahrhunderte hinweg aufgehoben - obwohl sie schon bald aus der Mode gekommen waren und keinerlei Gebrauchswert mehr aufwiesen.
Es handelt sich um Instrumente, wie sie in der Praxis der Stadtpfeiferei üblich waren: Rauschpfeifen, Pommer, Dulziane, Krummhörner, Blockflöten, Querflöten, Zinken, Posaunen und Trompeten. Sie wurden sowohl in der Kirche als auch zu anderen Anlässen, etwa bei Hochzeitsfeiern oder in der Hausmusik gespielt. Eine Besonderheit der Naumburger Sammlung ist es, dass die Instrumente nicht als Einzelstücke, sondern in Familien überliefert sind: Diskant-, Alt-, Tenor- und Bassinstrumente einer Instrumentengattung sind gleichermaßen vorhanden.

 

Die Gray-Orgel 
Für Liebhaber historischer Orgeln bietet das Berliner Musikinstrumenten-Museum eine besondere Attraktion: Eine dreimanualige Schleifladenorgel mit Rückpositiv der berühmten Londoner Orgelbaufirma Gray. Sie wurde zwischen 1815 und 1820 - vermutlich von John Gray - für eine Kirche in Bathampton bei Bath in Somerset gebaut. Die Orgel hat 24 Register, die Disposition besteht aus Haupt-, Chor- und Schwellwerk, jeweils mit einem Umfang von C-f''', dazu ein nachträglich erweitertes Pedal (C-f'), Koppeln und Spielhilfen. Die Orgel wurde von der Firma E. F. Walcker fachkundig restauriert und im historischen Sinne nachintoniert, ebenso das neogotische Gehäuse, wobei das gut erhaltene Rückpositiv als Vorbild diente.
Mit dem weichen Klang ihrer weit mensurierten Pfeifen steht die Gray-Orgel ganz in der Barocktradition, die den Orgelbau im konservativen England des frühen 19. Jahrhunderts kennzeichnet.